Die Vaterwunde – Vergangenheit und Aussöhnung

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Die Vaterwunde

Männer und die Vaterwunde

Neulich habe ich einen Mann getroffen der über seine Erfahrungen mit seinem Vater berichtete. Er war etwa um die 30 Jahre alt, sehr offen und gesprächig. Wie es der Zufall so will begegneten wir uns auf einem Vortrag in welchem das Thema die Vaterwunde zum Thema gemacht wurde. Wie sich später herausstellte, hatten wir in der Geschichte mit unserem Vater ähnliche Erfahrungen zu verarbeiten. Mit Zufall meine ich nicht, dass etwas ungeplant und aus heiterem Himmel geschieht. In dieser Begegnung ist mir im wahrsten Sinne des Wortes etwa zugefallen.

Für dieses Gespräch bin ich im Nachhinein sehr dankbar. Der Mann, nennen wir ihn einmal Mike, machte auf mich einen sehr lebendigen Eindruck. Seine Augen strahlten beim Erzählen und er wirkte sehr lebendig. Was viele Männer bewegt, bewegt auch ihn, bewegt auch mich. Er berichtete über die Schwierigkeiten die er mit seinem Vater hatte. Er erzählte über die Phasen der Sprachlosigkeit, die Versuche Kontakt aufzunehmen und das Scheitern. Mich berührten seine Erzählungen sehr.

Umgang mit Wut, Ärger, Liebe und Nähe

Die Vaterwunde war für den Zuhörer offensichtlich. Trotzdem wirkte er zuversichtlich auf mich. Die schmerzliche Erfahrung, dass der Vater den Jungen oder das Mädchen nicht beachtet oder respektiert kann tiefe seelische Verwundungen zurück lassen. Die Beziehung ist geprägt durch häufiges kritisieren und abwerten aber auch durch die schlichte Abwesenheit des Vaters. Auch wenn wir Männer es oft nicht wahrhaben wollen, die unsichtbaren lang gewachsenen Verstrickungen mit der väterlich instabilen Verbindung prägen unser Sein und unsere Beziehungen zu anderen.

Der Vater prägt unser Mann sein! Bei wem sollten wir uns sonst Abschauen wie es ist ein Mann zu sein, wie wir uns verhalten und die Beziehungen zu anderen gestalten? Wir können von Glück sprechen, wenn wir anderen Männern in unserem Leben begegnet sind, die uns ein Stück begleitet und uns gezeigt haben wie ein Mann etwa mit Ärger, Wut, Liebe und Nähe umgeht, kurzum wie er seine Beziehungen zu anderen gestaltet und mit seinen eigenen Gefühlen umgeht.

Die Folgen der Vaterwunde können vielfältig sein:

  • Zu starke Leistungsorientierung. Ich leiste etwas also bin ich! Nur wenn ich etwas Leiste werde ich von meinem Vater gesehen und akzeptiert.
  • Ausüben von Macht und Kontrolle und Versuche Beziehungen dadurch zu manipulieren.
  • Häufiger Partnerwechsel, der Aufbau von dauerhaften und stabilen Verbindungen ist erschwert.
  • Die Auseinandersetzung in Partnerschaft und Familie ist erschwert.
  • Flucht in Sucht und Ablenkung, Depression, bzw. Zerstreuung.

Natürlich ist diese Auflistung der Folgen einer Vaterwunde nicht vollständig und natürlich zeigen sich von Mann zu Mann oder auch von Frau zu Frau ganz andere Geschichten, Momente, Begegnungen und Verläufe. Der Weg in Richtung Heilung scheint aber in allen gelebten Vaterbeziehungen gleich zu sein.

Die Aussöhnung mit sich und der Welt

Es geht um Aussöhnung. Es geht ein Stück weit darum sich mit seiner eigenen und der Geschichte seines Vaters auseinanderzusetzen. Aussöhnung ist ein weites Feld, welches auf der Klaviatur des Lebens unterschiedlich gelebt und interpretiert werden kann. So möchte ich dieses Thema im nächsten Artikel näher beschreiben.

Der Friede mit seinem Vater

Mike schien mir auf dem Weg der Aussöhnung weit vorangegangen. Seine Geschichte und sein Umgang damit trösteten mich in gewisser Weise. Auch wenn ich selber viele Rückschläge zu verzeichnen habe, es wird sich lohnen die Beziehung zum Vater immer wieder wohlwollend zu betrachten und weitere Schritte voran zu gehen. Schwer ist das! Eine Lebensaufgabe, aber inzwischen habe ich die tiefe innere Überzeugung dass dieser Weg ein guter ist.

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oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch.

Euer Oliver

2 Antworten

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  2. Januar 12, 2018

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