Erzieher trinken nicht nur Kaffee – Die öffentliche Wahrnehmung 

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Mal ein Hinweis: Erzieher trinken nicht nur Kaffee

Seit Langem bewegt mich ein Thema welches nur allmählich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. Erzieher werden in der Öffentlichkeit völlig undifferenziert betrachtet. Während Lehrer meines Erachtens ebenso mit aus meiner Sicht völlig falschen Zuschreibungen wie zum Beispiel: “Die haben ja die ganzen Ferien frei!” überzogen werden, schlägt sich der Erzieher, egal ob männlich oder weiblich, mit ähnlichen, noch viel phantasievolleren Vorstellungswelten herum. Da wird anscheinend nur Caffe getrunken oder es heißt, dass da die Basteltante wieder was tolles mit den Kindern basteln wird. Quasi eine laissez faire Basteltante die psychotrop, koffeinhaltige Heißgetränke mag und eine Affinität zu Origami hat. Von Männern wird komischerweise schon mal gar nicht gesprochen.

Wenn ich das höre, stellen sich mir alle Haare zu Berge! Jetzt bin ich doch schon zwei Jahrzehnte in diesem Beruf und vielleicht wird es einige überraschen: In diesem Job trinkt man tatsächlich einige Tassen Caffe am Tag, das Image dass dieser Satz ausstrahlt hat aber so gar nichts mit unserer Arbeit zu tun! Soziale Mitarbeiter trinken nicht nur dieses koffeinhaltige Heißgetränk, sie arbeiten auch! Ich bin mir sicher, dass beispielsweise Lehrer mit Sicherheit nicht die ganzen Ferien frei haben. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass die Hälfte der Zeit schon mal mit Korrigieren von Schularbeiten und Prüfungen drauf geht. Aber, zurück zu meinem Berufsstand, dem Job des Erziehers.

Der Wandel von Kindergärten, Krippen und Heimen

Der Kindergarten und alle anderen ähnlichen Einrichtungen haben eines gemeinsam: Sie haben sich von einer reinen Aufbewahrungsstätte hin zu Bildungseinrichtungen entwickelt. Pädagogische Ziele standen damals noch nicht im Focus. Besonders während der Zeit der Industrialisierung und auch lange danach ging es ausschließlich darum, dass Vater und Mutter in der Fabrik arbeiten konnten. Die Namensgebung der damaligen Einrichtungen ist bezeichnend. So hieß der Kindergarten Kinderbewahranstalt oder Kleinkinderschule. Das Qualifikationsprofil der Mitarbeiter hat sich also entscheidend gewandelt. Mehr Aufgaben, mehr Verantwortung und viele neue administrative Aufgabenbereiche. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass wir die gesellschaftlichen Veränderungen mit voller Wucht zu spüren bekommen. Die Kinder werden immer herausfordernder, Themenbereiche wie Ausländerfeindlichkeit und Zuwanderungen müssen aus meiner Sicht schon im Kindergarten bearbeitet werden. Das soziale Verhalten unter den Kindern hat sich stark verändert. Eine Kultur des Miteinanders ist nicht mehr selbstverständlich. Das muss auch innerhalb des Teams neu erlernt werden und auch in diesem Bereich stoßen Kollegen und Kolleginnen und auch ich oft an deutliche Grenzen. Das ist harte persönliche Arbeit und hat nichts mit Kaffee trinken zu tun.

Enorme Herausforderungen in der Elternarbeit

Gesamtgesellschaftlich findet momentan ein enormer Umbruch statt. Die Menschen erleben sich Einerseits in Ihrem eng getakteten Arbeitsleben und in der Familie, spüren aber immer stärker dass Ihre eigenen Bedürfnisse an die Türe klopfen. Das geschieht im besten Falle durch Erkenntnis, in den “schlechteren” Fällen durch dysfunktionale Familien und Krankheit. Der Umbruch zeigt sich in unseren Systemen des Zusammenlebens, ob wir wollen oder nicht.

Die Problematik bündelt sich in sozialen Einrichtungen, vor allem in Kindergärten, Krippen und Heimen. Eltern haben Ihre ganz speziellen Wünsche für die Kinder. Die Kommunikation mit den Eltern, die klar machen soll, dass wir nicht alles auffangen können, was in der Familie nicht so gut gelaufen ist, gestaltet sich häufig sehr schwierig. Ich sehe uns als Unterstützer und Förderer der eigens angelegten Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes, nicht als Problemlöser oder Psychologe.

Seit kurzem habe ich eine Erzieher trinken nicht nur Caffe Tasse

Mein innerer Protest gegen diese öffentliche Wahrnehmung hat sich das erste Mal mit dem Kauf einer mit diesem Spruch bedruckten Tasse gezeigt. Seit dem lässt mich das Thema nicht mehr los und ich werde nicht müde unser Anforderungsprofil in die Öffentlichkeit zu bringen:

Die Mindestanforderungen an einen Erzieher:

  • Integration & Inclusion
  • Mediator (in der Elternarbeit und unter Kollegen)
  • Pädagoge (gezielte Beschäftigungen, Einzelförderung, Gruppe stärken)
  • Seelentröster (Für die Kinder da sein, Trost spenden)
  • Kaufmännischer Angestellter (Bearbeiten von Anträgen, Aufnahmen, Schreiben von Berichten)
  • Projektmanager (Projekte sind Bestandteil unserer Arbeit)
  • Putzkraft

..ob ihr es glaubt oder nicht, ich könnte diese Liste noch fort führen. Deswegen, liebe Freunde des schnellen und oberflächlichen Blickes: Seht Euch unsere Arbeit genau an, verbringt mal einen Tag in einem Kindergarten. Das macht Freude, aber es ist auch eine enorme Herausforderung und hat nichts mit Kaffee trinkenden Basteltanten zu tun . Wäre dieser Blick doch etwas geweitet, würden auch mehr Männer Zugang zu unserem Beruf finden. An alle sozialen Arbeiter, ich hebe meine neue Tasse auf Euch und Danke für den unermüdlichen Einsatz. Das ist echte Gesellschaftsarbeit. Einfach nur Danke!

oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch.

Euer Oliver

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