Früher war alles besser – Erziehung früher und heute

Erziehung früher und heute

Die Einschätzung der alten Dame – Früher war alles besser

Nach einer längeren Pause habe ich wieder Lust Artikel zu verfassen. Die zündende Idee für diesen aktuellen Beitrag hatte ich, als ich mich mit einer älteren Dame unterhalten hatte. Sie konnte nur noch mit dem Rollator gehen. Was mich an Ihr besonders angesprochen hat, war Ihr stets freundliches lachen. Eine echte Oma zum lieb haben, dachte ich mir. Als wir ins Gespräch kamen bestätigte sich meine Einschätzung. Vor mir stand eine steinalte liebenswerte Mutter, eine Frau die in Ihrem Leben viel erlebt hat.

Die ältere Dame hatte 3 Kinder und sie gab unumwunden zu, dass ihr in der Erziehung Ihrer Kinder nicht alles geglückt ist. Allerdings seien das früher die eindeutig besseren Zeiten für Kinder gewesen. Ehe sie diesen Satz beendet hatte führte sie als Begründung einige Beispiele an: Meine Kinder mussten sich früher viel selbst beschäftigen. Ferner gab es keine Dauerbeschallung durch die Medien. Zudem waren ihre Kinder am Wochenende den ganzen Tag in der Natur unterwegs.

Die Mutter von drei Kindern lebte mit Ihrem Mann auf einem bewirtschafteten Bauernhof in Mecklenburg Vorpommern. Die Zeiten mussten hart gewesen sein. In der Nachkriegszeit gab es kaum lebensnotwendige Nahrungsmittel für den täglichen Bedarf. Die Frau hatte Mühe die Kinder am Leben zu halten. Ihr Fazit trotzdem: Früher war alles besser!

Mich selber irritierte diese Einschätzung. Trotz der sehr harten Zeiten für ihre Familie empfand die Dame die Vergangenheit als eindeutig besseren Zeitabschnitt. Die verklärte nostalgische Vorstellung einer alten Dame, dachte ich mir. Zumindest hat mir dieses Gespräch den Anstoß gegeben dieses Thema mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Waren die Zeiten für Kinder früher wirklich besser? Wenn ich mich in die Nachkriegszeit zwischen 1946 und 1950 versetze würde ich diese Frage natürlich mit einem Nein beantworten.

Ich denke, dass es sich trotzdem lohnt genauer hinzusehen. Jeder wird bestätigen, dass die Zeit nach 1945 und während des Krieges eine der schwierigsten Zeiten überhaupt gewesen ist. Wie in allen Epochen und Zeiten gab es aber innerhalb der Systeme Zeit- und Raumfenster die eine gute Entwicklung der Kinder ermöglichten.

Ein Tag des Spiels im Wald – Erziehung früher und heute

Die Dame sprach davon, dass die Kinder den ganzen Tag in der freien Natur unterwegs waren. Meiner Ansicht nach ist nichts besser für die Entwicklung unserer Kinder als die reine Naturerfahrung. Die kindliche Phantasie gibt beispielsweise einem abgebrochenen Stück Holz eine ganz neue Bedeutung. Auf einmal entsteht daraus ein Drache. Mit diesem Drachen wandert es beispielsweise 2-3 Stunden durch den Wald in der Nähe von Omas Haus, entdeckt ein kleines Flüsschen, baut einen Staudamm, und der Drache gibt Anweisungen wie was zu machen ist.

Langeweile – Perfekt fürs Hirn

Und selbst wenn innerhalb dieser Spielzeit Langeweile entsteht. Für das kindliche Gehirn ist nichts besser als die Langeweile. Spiele müssen so selber konstruiert werden und das Kind entwickelt Phantasien und Ideen aus der eigenen Motivation heraus. Intrinsisches Lernen, Lernen aus der eigenen Motivation, ein wirkungsvolles Moment in der Entwicklung unserer Kinder. In diesem Punkt hatte die Dame meiner Meinung nach Recht. Echte und lange Naturerfahrung –ich spreche von Tagen des erfüllten Spiels- gab es früher wesentlich öfter. PC und Fernsehen ersetzen diese erfahrungsreichen Beschäftigungen aus erster Hand und ersetzen sie durch den Konsum des Lebens aus zweiter Hand. Die Kinder werden vor allem auch mit Werbung vollgeballert. Auf der Seite der Naturerfahrungs Seite entsteht einfach das Gefühl von Da(sein), auf der Seite des Konsums entstehen Bedürfnisse im Übermaß. Gut für die Industrie, schlecht für die Kinder.

Erziehung früher und heute – Die Integration der Kinder in den Haushalt

Des Weiteren sprach die Dame davon, dass die Kinder im Haushalt mitarbeiten mussten. Wer das Buch Herbstmilch von Anna Wimschneider kennt, weiß dass das die härtesten Zeiten für Kinder überhaupt gewesen sein müssen. Das Arbeitspensum und die Härte der Arbeit überstiegen das rechte Maß wohl deutlich. Dennoch gab es viele Familien in denen die Integration der Kinder in den Haushalt geglückt ist. Ältere Mädchen mussten auf die jüngeren Geschwister achten.  Jungs gingen mit dem Vater zu ernte. So waren die Kinder ein fester Bestandteil des Familienlebens, bekamen Kontakt zu Pflanzen, Nahrungsmitteln, Menschen und Aufgaben.

Ich möchte nicht missverstanden werden und verurteile Kinderarbeit und zu starkes Einspannen der Kinder in aller Deutlichkeit. Das Zuviel an Übernahme von Verantwortung kann für die weitere Entwicklung der Kinder katastrophale Folgen haben. Wie in allen Bereichen kommt es auf das rechte Maß an. Was ich zu bedenken geben möchte ist, dass die positiven Einfallstore für ein freies und ausdauerndes Spiel in der Natur in der heutigen Zeit fehlen. Schlimmer noch, sie werden durch das zuvor genannte Leben aus zweiter Hand ersetzt. Ferner kann sich durch den technisierten und durchorganisierten Alltag kaum eine Haushaltsbeteiligung der Kinder ergeben.

Dies alles fehlt heute in großem Ausmaß. Die Dame wirkte auf mich zwar sehr nostalgisch und in gewissen Sinne auch naiv, trotzdem sie hatte auch in diesem Punkt Recht. Das war früher viel besser!

Artikel: Erziehung früher und heute

oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch. Euer Oliver

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