Initiation als bewusster Übergang in eine neue Lebensphase

Initiation in der westlichen welt

Teil 1 zur Artikelserie Initiation

Initiation in der westlichen Welt – Kaum Ritual & Übergang

Mein Weg in die Erwachsenenwelt – Wenig Ritual und Initiation

Als junger Mann stolperte ich von einem Ereignis ins Nächste. Nach der Schule war für mich nicht ganz klar was ich für einen Beruf ergreifen sollte. Die erste Schulpflicht Zeit war vorbei und ich stand mehr oder weniger orientierungslos in der Welt der Erwachsenen. Sinnlos kam mir das Ganze vor. Als ich dann meine erste Lehrstelle begann, schmiss ich bereits nach drei Monaten das Handtuch. Gefrustet und ohne Orientierung suchte ich „da draußen“ irgendwie nach halt.

Eigentlich begann alles schon viel früher. Ich kann mich nicht an einen bewusst gestalteten Übergang zwischen der Beendigung eines alten und dem Anfang eines neuen Lebensereignisses in frühen Jahren erinnern. Zumindest bringe ich kein Ereignis damit in Zusammenhang. Dass es auf meinem Weg doch einige Rituale gab, darauf möchte ich im späteren Verlauf zurückkommen.

Schnelle Veränderung, schnelles Leben – Eine Überforderung

Bereits in ganz jungen Jahren zogen wir sehr häufig um. Die Umzüge gingen schnell von statten und sorgten zwar meist für das Gefühl eines positiven Aufbruchs, letztendlich überforderte mich aber die Schnelligkeit der Veränderung. Teilweise belasten mich schnelle Veränderungen heute noch. Ich reagiere dann nicht mehr, sondern agiere nur noch. Die Beispiele ließen sich noch weiter aneinander reihen. Was meine Person betrifft, mir fehlten definitiv bewusst gestaltete Übergänge und Einführungen in die neuen Stufen des Lebens.

Verschiedene Lebensabschnitte brauchen den Ritus

Shakespeare spricht von den sieben Lebensaltern, den sieben Akten des Daseins. Er unterteilt also das Leben in verschiedene Abschnitte, Teile. Jeder von uns erfährt am eigenen Leib, wie schwer diese Übergänge sind. Spätestens als Vater eines pubertierenden Jungen wird klar, wie einschneidend und energievoll sich diese Übergänge gestalten.

Jeder einzelne Abschnitt, die Geburt, die Kindheit, die Pubertät, das Erwachsensein, das älter werden verdient einen bewusst gestalteten Übergang, bzw. im Pubertätsalter einen ritualisierten Einführungsprozess. Selbst einzelne Abschnitte des Tages können bewusst ritualisiert werden. Das ist besonders auch für Kinder wichtig. An mir selber merke ich wie heilsam ein Tag sein kann, an dem ich bewusst ein Ritual begehe, bete oder meditiere. Das ist für mich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Wenn ich diese kleinen Beiträge meiner eigenen Geschichte in einen erweiterten Kontext hebe wird mir eines besonders deutlich. Mir fehlten nicht nur bewusst gestaltete Übergange für den Alltag und das Berufsleben. Rituale die mir helfen, vom Jugendlichen zum Erwachsenen zu reifen hätten mich vor allem in der Zeit zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr sehr unterstütz.

 

Rituale in Form von Initiationen – Einführung in die Erwachsenenwelt

Initiation bedeutet in etwa eingeweiht werden, Aufnahme in einen Geheimbund oder Aufnahme in die Gemeinschaft von Erwachsenen. Solche Rituale in Form von Initiationen wurden in den verschiedensten Kulturen und Naturvölkern praktiziert. Meist geht es im Zusammenhang mit Jungen um den Übergang vom Jungen zum Mann. In den antiken Mysterien Initiationen erhielt beispielsweise der 16 jährige römische Knabe die Toga des Erwachsenen. Scheinbar beschränkte sich diese Übergabe nicht nur auf die Übergabe des roten Stückes Stoff. Vielmehr hatte dies eine weitaus größere Bedeutung. Die Toga zeigte: Ich bin jetzt ein Mann, ich bin eingeweiht in ein bestimmtes Wissen, in die Welt der Erwachsenen.

Es gibt viele weitere Beispiele von Mysterienkulten, z. B. den Isis und Osiris Kult. Alle beschreiben sich durch ähnliche Inhalte: Die Weitergabe von geheimen Inhalten spielt bei diesen Prozessen eine große Rolle. Es geht auch um Schmerz, um ein bewusstes loslassen und um den Gang in die neue Rolle als Mann oder Frau. Rituale können in Abhängigkeiten führen und wenn einzelne Teile weggelassen werden birgt das große Gefahren. Aus der Geschichte sind uns diese euphorisierenden destruktiven Kräfte bekannt. Initiationen brauchen also einen verantwortungsvoll geleiteten Umgang. Das ist mir bei der Aufreihung und Nennung einzelner Mythen, Rituale und Initiationen ganz besonders wichtig.

Das Sakrament der Firmung als Initiation

In der westlichen Welt sind diese Riten meist nicht mehr im Bewusstsein. Es lohnt sich jedoch genauer hinzusehen. In unserer christlichen Tradition gibt es einige Trittsteine die jungen Erwachsenen ein gutes Unterstützungsangebot sein könnten um ihre Reise in die Erwachsenwelt kraftvoll zu beginnen. Über die Firmung als Initiation möchte ich im zweiten Teil meiner kleinen Artikelserie berichten. Über die Nacht des Feuers, eine Veranstaltung der Diözese Augsburg an der ich im nächsten Monat teilnehme, möchte ich dann im Kontext Firmung als Initiation berichten. Die Firmung bietet den Anlass für Jungs und Männer, die “Nacht des Feuers” zu feiern. Die knapp 24 Stunden sind als erfahrungsreiche Vorbereitung auf die Firm Feier konzipiert.

oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch.

Euer Oliver

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