Kindererziehung ist Frauensache und die Wäsche macht Mutti?

kindererziehung ist frauensache
Mama mit Babybauch und Vater

Kindererziehung ist Frauensache

Haushalt und Kinderziehung ist Frauensache

Tradierte Vorstellungen auf dem Prüfstand

Im Waschkeller treffe ich regelmäßig meinen Nachbarn. Vermutlich ist er für die Wäsche zuständig! Trotz einem enormen Wandel in unserer Gesellschaft und dem Wandel von der Groß- zur Kleinfamilie halten sich einige Gerüchte weiter hartnäckig. Es ist da zu hören, dass Frauen immer noch hauptsächlich fürs kochen, putzen und vor allem für die Kindererziehung zuständig sind. Mein Nachbar ist schon mal das erste Argument dagegen. Tapfer widmet er sich der Familien Wäsche.

Ein Grund mal genauer hinzusehen. Wie sieht es aus mit den Papas und Mamas in Deutschland. Lassen Frauen eine größere Beteiligung in Erziehungsangelegenheiten überhaupt zu? Wollen sie, dass sich die Männer mehr an Haushalt und Kindererziehung im Allgemeinen beteiligen? Haben Mütter und Väter von Geburt an gleichwertige erzieherische Qualitäten und ist bewiesen, dass beide dem Kind in seiner Entwicklung gut tun? Über diese Fragen und den Versuch einer Antwort schreibe ich im aktuellen Artikel: Hausarbeit & Kindererziehung ist Frauensache. Mal der Reihe nach:

Aufgabenverteilung Pflege & Erziehung

Wie würden es kinderlose Paare machen?

„Kinderlose Paare streben mehrheitlich eine partnerschaftliche Lösung der babybezogenen Aufgabenteilung in Form von gleichmäßiger Partizipation an.“  (Wassilios E. Fthenakis/ Minsel Beate „Die Rolle des Vaters in der Familie“) Das kann ich mir gut vorstellen! Ich vermute aber, dass sich bei Paaren mit Kindern durchaus auch „Konkurrenzdenken“  bezüglich der Erziehung des gemeinsamen Kindes entwickeln kann. Das ist meiner Meinung nach auch deutlich in institutionalisierter Erziehung zu beobachten. Auch Erzieher untereinander mögen ihren pädagogischen Ansatz gerne als den Besten sehen.

In der Zusammenarbeit zwischen den Geschlechtern kann sich dieser Konkurrenzgedanke durchaus deutlich zeigen. Als Erzieher im Kindergarten habe ich das öfter von beiden seiten erlebt. Ich halte fest: In der Phase der Familienplanung können sich viele Paare eine gleichberechtigte Aufgabenverteilung vorstellen. Nix mit das ist Frauensache! Trotzdem, viele von Euch können sicher bestätigen, dass sich die Realität dann anders zeigt, Frauen oft eine erzieherische “Einmischung” nicht wünschen und Väter nach einem langen Arbeitstag scheinbar keine Energie mehr für Kinder, Frau und Haushalt haben. Beide brauchen meiner Ansicht nach einen kleinen Energieschubs in die entgegengesetzte Richtung.

Erzieherische Verantwortung mit Männern teilen

Jeder auf seine authentische Art – Fehler inclusive!

Männer machen das mit der Erziehung anders als Frauen und Frauen sind oft in Sorge um die Kinder. Jesper Juuls spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten Mutter Chauvinismus. Mütter haben eine hohe pflegerische und pädagogische Kompetenz und sprechen diese den Männern oft ab. „Das Kind braucht unbedingt eine Mütze, sonst erkältet es sich!“ Männer denken im ersten Moment oft tatsächlich nicht an die Mütze, sondern lernen oft durch den Umstand, dass es besser gewesen wäre dem Kind eine Mütze aufzusetzen, denn jetzt hat es tatsächlich eine Erkältung! Sie lernen also im Prozess und das lassen Mütter und auch Erzieherinnen im Kindergarten oft nicht zu.

Kindererziehung ist Frauensache und Männersache – Entwicklung Sozialverhalten

Für mich persönlich ist dieser „Zwischenschritt“ der Männer aber von Bedeutung für das Familienleben, sowie wie dem pädagogischen Alltag im Kindergarten. Das Kind erfährt, dass auch Papa (manchmal auch Mama) etwas falsch machen kann und erlebt wie beide Elternteile mit diesem Fehler innerhalb Ihrer Partnerschaft umgehen. Es lernt von erster Hand Sozialverhalten. Genauso im Kindergarten: Der Kollege hat vergessen die Kaffeetasse aufzuräumen oder auch hier, der Schal beim Spaziergang wäre sicher gut gewesen. Sie merken es gäbe beispiele ohne Ende. Aus meiner Sicht haben zwar Frauen tatsächlich eine Art instinktgebundene Antenne für ihre leiblichen Kinder, trotzdem das mehr von außen einwirkende männliche Geschlecht komplettiert das ganze Geschehen. Beide Bedingen einander! Alle drei lernen voneinander…

Zum eigentlichen Thema: Kindererziehung ist Frauensache

Bleibt noch der letzte einleitende Gedanke zu klären. Haben Frauen und Mütter wirklich eine Art Pole Position in Erziehungsangelegenheiten? Etwa weil sie das Kind ausgetragen haben, sozusagen eine biologisch festgeschriebene Erstverantwortung?  

Forschungsergebnisse zeigen folgendes Bild:

„…Vater und Mutter werden bald als zwei verschiedene Personen erkannt. Man hat beobachtet, dass Kinder im Alter von sechs bis zwölf Monaten auf experimentelle Trennungen von Vater und Mutter gleichartig reagieren. Dass sie also auf den Vater nicht etwa leichter verzichten könnten, als auf die Mutter. Dies war der Fall, obwohl drei Viertel dieser Väter noch keine Windel gewechselt hatten und tagsüber beruflich abwesend waren. Der Vater braucht also nur minimal im Alltagsleben des Kleinkindes und nur minimal an der direkten Pflege beteiligt zu sein, um doch ein spezifisches Bindungsobjekt für das Kind zu werden.”  (Michael Rotmann: „Die Rolle des Vaters im Leben des kleinen Kindes.“  H.J. Schultz (Hrsg.) dtv Sachbuch 1984)

Auch Prof. Dr. Mechthild Papousek, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und Säuglingsforscherin kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: “Die Annahme einer ausschließlichen und primären Mutter-Kind-Bindung im 1. Lebensjahr ist nicht mehr zu halten. Das Kind entwickelt zur gleichen Zeit und in vergleichbarer Qualität Bindungen zum Vater oder zu einer stellvertretenden Bezugsperson, wenn diese Bezugsperson mit einer gewissen Regelmäßigkeit dem Kind verfügbar sind, und zwar unabhängig von der Dauer der Interaktion (Field, 1978; Lamb, 1977).

Liebe Männer, ihr könnt Euch also nicht mehr hinter der Aussage verstecken, dass Erziehung & Pflege rein biologisch ausschließlich einer Frau zu zu ordnen sind. Liebe Frauen, seht, auch wir Männer werden als gleichberechtigte Bindungsperson vom Kind wahrgenommen und können sehr wertvolle erzieherische Impulse setzen.

Auf die Ebene der institutionalisierten Erziehung gehoben könnte das heißen: Männer sind in diesem Bereich goldrichtig und wichtig! Und ich folgere daraus: Wir brauchen mehr männliche Erzieher, sogar schon teilweise in Kinderkrippen.

MEIN FAZIT über Hausarbeit und Kindererziehung ist Frauensache

Mein Standpunkt hat sich in der „goldenen Mitte“ gefestigt! Für mich ist die Entwicklung des Urvertrauens im ersten Jahr des Säuglings ganz eng mit dem Mütterlichen verbunden. Jedoch, der Vater wird ebenso als feste, eigenständige Bindungsperson wahrgenommen und ordnet das Bild der Zuständigkeiten und Bindungsqualitäten ganz neu. Wer hätte das gedacht? In späteren Lebensjahren ist die Wichtigkeit von Vätern und Männern inzwischen ganz unumstritten: Je älter die Kinder werden, desto mehr brauchen sie das Väterliche, das Männliche. Dann sind wir gefragt. Männer, die Kinder brauchen uns! Haushalt und Kindererziehung ist keine reine Frauensache!

 

oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch.

Euer Oliver

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