Männer im Kindergarten – Gründe für eine berufliche Etablierung

Männer im Kindergarten

Warum eigentlich Männer im Kindergarten?

Es gibt einige Gründe die für die Etablierung männlicher Pädagogen in sozialen Einrichtungen im Elementarbereich sprechen. Auch wenn sich der männliche Anteil der Pädagogen in Kindergärten in den letzten Jahren etwas verbessert hat, so ist die Spezies der männlicher Pädagogen immer noch nicht vollständig beruflich etabliert.

Schade, denn ich wüsste einige Vorteile einer größeren männlichen Beteiligung:

Ein realitstisches Abbild der Gesellschaft

Ein geschlechtsgemischtes Team vermittelt den Kindern ein realistisches Abbild unser Gesellschaft. Glücklicherweise besteht die Welt aus Männern und Frauen. Gesellschaftliche Zusammenhänge beziehen sich auch auf den Umgang zwischen Frauen und Männern. Wie agieren dort die Geschlechter? Wie werden auch ganz banale Alltagsangelegenheiten miteinander gelöst? Es gibt Unterschiede indem wie die Geschlechter diesen Alltag bewältigen. Frauen und Männer, Erzieher und Erzieherinnen sollten diese Alltagsaufgaben gleichermaßen übernehmen, auch und vor allem innerhalb des pädagogischen Alltags. So wäre es schön wenn die Kinder die Erzieher des Kindergartens:

  • beim abspülen des Geschirrs
  • bei der Leitung der morgendlichen Gesprächsrunde
  • oder beim reparieren eines kaputten Gartenzauns, usw..

erleben können. Kinder werden in diesem Zusammenhang Unterschiedlichkeiten feststellen. Unterschiedlichkeiten die den Kindern zeigen, dass Aufgaben in verschiedenen Formen erledigt werden können. 

Warum also nicht auch Männer im Kindergarten? Das Bild vom Mann der ausschließlich das Geld verdient und die Familie ernährt ist alt und verstaubt. Schön wäre es, wenn wir dieser Einstellung eine vollständige Absage erteilen könnten. Ich bin gegen eine völlige Gleichmachung der Geschlechter. Es soll Chancengleichheit bestehen. Diese Grundgedanke soll aber immer berücksichtigen, dass es sich um unterschiedliche Geschlechter handelt. Anbei ein sehr interessantes Video von Prof. Dr. Gerald Hüther.

Männer können inzwischen auch anders! Sie üben zum Beispiel nicht nur typisch männliche Berufe wie KFZ-Mechaniker aus. Trotzdem, die einseitige Vorstellungswelt von dem was Mann und Frau zu tun haben ist leider immer noch im Denken verhaftet.

Die Realität ist zum Glück immer mehr eine andere. Männer und Frauen arbeiten in vielen Berufsbereichen gleichberechtigt. Kinder erfahren diese gelebte Gleichberechtigung auch in anderen Bereichen. Männer im Kindergarten sind eine ideale Möglichkeit diesen Gedanken zu verwirklichen. Die Beteiligung von Pädagogen im Elementarbereich vermittelt eine natürliche Realität. Sie zeigt Männer und Frauen wie sie sich gleichberechtigt an Dingen des Alltags beteiligen.

Geschlechtsgemischte Teams - Nichts starres sondern etwas dynamisches!

Ein Team mit Männern und Frauen kann auf mehr Ressourcen zurückgreifen. Es geht um keine starre Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau. Möglichkeiten dies zu beschreiben bieten die sogenannten Archetypen. Sie sind der unbewusste Teil, eine Art angeborene seelische Basis jedes Menschen. C. G. Jung arbeitete mit diesen archaischen Seelenbildern. Männliche und weibliche Archetypen, also Urbeschreibungen und Qualitäten der Seele sind verschieden aber nicht starr und fest. Das hat nichts damit zu tun, dass Frauen und Männer in ganz bestimmte Schubladen und Formen gepresst werden sollen.

Bei den Archetypen handelt es sich wiegesagt um Qualitäten. Männer können sich beispielsweise gut durchsetzen, haben vielleicht eine zielführendere und direktere Art ein Team zu leiten. Männer sind ergebnisorientierter. Sie fühlen sich in der körperbetonten Art des Spiels mit z. B. Jungs wohler. Das sind alles kann - Beschreibungen. Es mag auch viele Frauen geben, die in diesen Bereichen genauso zu Hause sind wie ein Mann. Tendenziell sind das aber  Fähigkeiten und Eigenschaften die mehr dem Mann zugeschrieben werden. So können wir mit einem Team aus beiden Geschlechtern auf unterschiedlichste Qualitäten, Ressourcen und Fähigkeiten zurückgreifen. Das hat nichts mit alten und verstaubten Vorstellungen zu tun.

Ein eklatanter Personalmangel

Warum sollten wir eigentlich auf ca. 50 % des möglichen Personals verzichten? Wären mehr Männer für die sozialen Bereiche zu begeistern, hätten wir unsere Personalsituation deutlich verbessert. Das Problem ist nur, es fehlt das direkte und gezielte anwerben männlicher Pädagogen im Elementarbereich. Sowohl innerhalb der Einrichtung als auch in der Öffentlichkeitsarbeit geschieht zu wenig.

Bereits 1996 schlug das Netzwerk für Kinderbetreuung der europäischen Kommission vor, dass bis zum Jahre 2006 20 % der Beschäftigten in öffentlichen Einrichtungen Männer sein sollten.² Davon sind wir weit entfernt! Koordinationsstellen und  Anwerbungsprogramme leisten wertvolle Dienste. Die Programme reichen aus meiner Sicht nicht aus. Es dürfen nicht nur außerhalb der Einrichtung Werbemaßnahmen ergriffen werden, sondern auch innerhalb der Einrichtungen muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Mir ist klar, dass diese kleine Beschreibung völlig unzureichend ist. Doch sie soll verdeutlichen, dass mehr begeistere institutionalisierte Väter eine große Personallücke schließen könnten.

Männliche Bezugsperson im Kindergarten

Die Entwicklung der eigenen geschlechtlichen Identität kann naturgemäß am besten am Vorbild des eigenen Geschlechts gelernt werden. Männer sind aus verschiedensten Gründen noch nicht in der Erziehung verankert. Das zeigt sich:

  • im familiären Bereich durch die vielen alleinerziehenden Mütter
  • durch die feminisierte Erziehungslandschaft in Kindergärten und Schulen.

Durch diesen Mangel fehlen Jungs zwischen dem 3. und 12. Lebensjahr konkret männliche Vorbilder und Begleiter. Sie könnten durch ihr Dasein helfen eine eigene männliche Identität zu entwickeln.

² Netzwerk der EK 1996 - Aigner 2011, S. 448

 

oliver74

Servus! Herzlich Willkommen bei den erziehenden Mannsbildern! Der Blog über Männerthemen, Erziehung und Vaterschaft. Schaut rein und seht Euch um. Freue mich über Kontakt und Austausch. Euer Oliver

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